Im Gespräch mit Boris Keweloh

Dr. Boris Keweloh ist spezialisiert auf die Behandlung unterschiedlichster Formen von Herzrhythmusstörungen. Der Rhythmologe arbeitet seit Mai 2019 im HerzZentrum.

Herr Dr. Keweloh, wie haben Sie sich im HerzZentrum eingelebt?

Dr. Keweloh: Sehr gut, es geht hier am Arbeitsort geradezu familiär zu. Mit meiner Familie wohne ich allerdings in Basel, wo auch die drei Kinder die Schule besuchen, und pendle deshalb regelmässig zwischen diesen beiden Städten.

Sie pendeln aber nicht nur von Basel nach Zürich...

… Nein, rund fünf Tage pro Monat arbeite ich noch in Deutschland, abwechslungsweise am Sana Herzzentrum in Cottbus sowie am Vivantes Klinikum in Berlin oder am Krankenhaus Eberswalde. Dort habe ich Teams ausgebildet und werde für schwere Spezialeingriffe am Herzen beigezogen.

Sie sind Spezialist auf dem Gebiet der kardialen Elektrophysiologie. Was heisst das eigentlich?

Ich bezeichne mich gerne als Herzelektriker. Als Rhythmologe befasse ich mich mit Patienten, deren Herz quasi aus dem Takt geraten ist, also mit Herz-Rhythmusstörungen. Bei einer elektrophysiologischen Untersuchung handelt es sich um eine spezielle Herzkatheter-Untersuchung, die ermöglicht, Störungen des Reizleitungssystems auf den Grund zu gehen. Das Reizleitungssystem leitet elektrische Impulse über den ganzen Herzmuskel weiter und sorgt für rhythmische Kontraktionen. Dieses System kann durch mehrere Faktoren durcheinandergeraten und zum Beispiel für das Vorhofflimmern verantwortlich sein.

Wie läuft eine entsprechende Untersuchung ab?

Unter örtlicher Betäubung wird von der Leiste aus ein steuerbarer Katheter ins Herz vorgeschoben, über welchen die Rhythmusstörungen in aller Regel ausgelöst und dadurch auch besser abgeklärt werden können. Wir analysieren den Stromverlauf und greifen bei Bedarf korrigierend ein. Einen solchen Eingriff am Herzmuskelgewebe bezeichnet man als Katheterablation. Krankhafte elektrische Erregungsherde werden verödet, sodass schwere Herzrhythmusstörungen beseitigt werden können. Dank der Verödung lassen sich die Grundursachen solcher Störungen oft für immer beheben. Das Herz schlägt wieder im Takt. Das Vorschieben der Katheter bis zum Herzen und die Platzierung der Elektroden sind für den Patienten übrigens nicht schmerzhaft.

Laut Ihrer Vita gründeten Sie vor ein paar Jahren auch noch eine Firma, nämlich die Cardiolectra. Was war das Motiv?

Ich bin sehr technikaffin. Schon als Studium kam für mich alternativ zur Medizin am ehesten eine Ingenieurwissenschaft in Frage. Mit der Spezialisierung auf Rhythmologie in der Medizin konnte ich gleich beides verwirklichen. Es gibt nur wenige Gebiete in der Medizin, die derart auf Technik fokussiert sind wie die Rhythmologie. In der Firma Cardiolectra entwickle ich mit Programmierern und anderen Spezialisten neue Technologielösungen für die Rhythmologie. Beim Abladieren kommen mir immer wieder Ideen, wie sich gewisse Dinge noch weiter perfektionieren lassen.

Können Sie ein Beispiel für eine derartige Innovation nennen, die einer herzkranken Person im HerzZentrum zugute kommt?

Wir haben ein 3D-Modell vom Herzen entwickelt, dank dem man dieses komplexe Organ sehr viel anschaulicher als früher erklären kann. Es gibt per Knopfdruck abrufbare Animationen von allen gängigen Krankheitsbildern und Fehlfunktionen des Herzens. Ich kann einem Patienten an meinem Computer hier im HerzZentrum also alle möglichen Situationen aufzeigen. Die Aufklärungsarbeit wird unter visueller Begleitung wesentlich einfacher, der Patient kann sich plötzlich viel mehr etwa unter einer Durchblutungsstörung oder einem Klappenfehler vorstellen. Wir können ihm dank 3D-Visionierung auch anschaulich aufzeigen, was bei einer Ablation genau vor sich geht.

Wo sehen Sie noch Forschungsbedarf in der Rhythmologie?

Das Thema ist noch lange nicht ausgereizt. Zum Beispiel wird es sich lohnen, Informationen über die genaue anatomische Beschaffenheit des Herzmuskels in unsere heutigen, eher elektrisch geprägten Mapping Bilder zu integrieren.

Wir haben jetzt viel über das Herz gesprochen. Tun Sie persönlich auch etwas für ein gesundes Herz?

Meine Hobbies sind der Radrennsport und Skihochtouren. Die grossen Strassenpässe in der Schweiz sind mir bestens vertraut. Ich kenne kaum einen, den ich nicht schon mit dem Fahrrad erklommen habe.